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Vom Lernhelfer zum Freund

Jakob über sein Engagement als freiwilliger Lernhelfer bei der Volkshilfe Wien im Interview:

Erzähl kurz etwas über dich: Was machst du beruflich und was machst du gerne in deiner Freizeit?

 Ich bin Lehrer an einer Wiener Mittelschule. In meiner Freizeit bin ich gern beim Sport, verbringe viel Zeit mit meiner Familie, lese gern und verbringe Zeit mit Freund*innen.

 

Seit wann bist du bei der Lernhilfe als Freiwillige*r aktiv und was hat dich dazu bewogen?

Seit März 2021. Im Jahr 2020 habe ich begonnen, mich intensiv mit dem Thema Chancengerechtigkeit auseinanderzusetzen, unter anderem durch das Buch „Generation Haram“ von Melissa Erkurt, das die Herausforderungen unseres Bildungssystems beleuchtet.
Da ich selbst von einem privilegierten Bildungsweg profitieren durfte und auf diesem Weg von vielen Menschen unterstützt wurde, war es mir ein Anliegen, diese Unterstützung weiterzugeben. Ich wollte eine junge Person begleiten, die im Bildungssystem mit größeren Herausforderungen konfrontiert ist.

 

Gab es einen bestimmten Moment oder Anlass, der dich dazu motiviert hat?

Ich habe mich gefragt, wo ich einen sinnvollen gesellschaftlichen Beitrag leisten kann, um Chancengerechtigkeit aktiv zu fördern. Für mich gibt es kaum etwas Wertvolleres, als junge Menschen auf ihrem Weg zu begleiten und sie zu unterstützen.

 

Was genau machst du in deiner freiwilligen Tätigkeit?

Zu Beginn bestand meine Tätigkeit vor allem aus klassischer Lernhilfe. Wir trafen uns wöchentlich für etwa eine Stunde bei ihr zu Hause, und ich unterstützte sie in verschiedenen Schulfächern.
Mittlerweile treffen wir uns alle zwei Wochen. Zu Beginn nehmen wir uns Zeit für den persönlichen Austausch über alltägliche Themen, bevor wir uns gemeinsam dem Lernen widmen.

 

Wie sieht ein typischer Termin mit den Kindern oder Jugendlichen aus?

Im Laufe der Zeit hat sich unsere Zusammenarbeit stark weiterentwickelt. Heute beginnen unsere Treffen meist mit einem ausführlichen Gespräch darüber, wie es uns geht und was uns aktuell beschäftigt. Dabei entsteht ein gegenseitiger Austausch, in dem auch sie ihre Perspektiven und Erfahrungen einbringt. Erst im Anschluss konzentrieren wir uns auf die schulischen Inhalte. Die Beziehung hat sich über die Zeit hinweg zu einer vertrauensvollen und beinahe freundschaftlichen Verbindung entwickelt.

 

Was war bisher dein schönster Moment in der Lernhilfe?

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir unser erstes Kennenlernen. Damals saßen wir gemeinsam mit Vertreter*innen der Volkshilfe sowie ihrer Familie in einem Raum. Sie war zu diesem Zeitpunkt zehn Jahre alt und stand kurz vor dem Wechsel in die Mittelschule. Mit großer Selbstsicherheit erklärte sie, dass sie Präsidentin werden möchte und dafür Unterstützung benötigt. Ihre Offenheit, ihr Selbstbewusstsein und ihre klaren Ziele haben mich von Anfang an beeindruckt und nachhaltig begeistert.

 

Gibt es eine Situation, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Es gibt viele besondere Momente. Einer davon war die Einladung zum gemeinsamen Abendessen, bei dem meine Partnerin und ich ihre Familie näher kennenlernen durften. Es war ein sehr bereichernder und herzlicher Abend.

Ein weiterer prägender Moment war, als sie nach mehreren Jahren sagte, dass ich für sie mittlerweile wie ein Familienmitglied sei. Diese Aussage hat mich sehr berührt.

 

Was bedeutet dir diese Tätigkeit persönlich?

Inzwischen ist nicht nur zwischen uns eine enge Verbindung entstanden, sondern auch zwischen unseren Familien. Wir treffen uns regelmäßig, verbringen gemeinsame Zeit und stehen im Austausch.
Es hat sich eine besondere Beziehung entwickelt, die ohne die Lernhilfe der Volkshilfe Wien vermutlich nie entstanden wäre.

 

Was hast du selbst durch das Engagement gelernt?

Durch mein Engagement habe ich wertvolle Einblicke in die Lebensrealität einer Jugendlichen erhalten, die ich sonst kaum gewonnen hätte. Ich habe viel über die Herausforderungen gelernt, mit denen junge Menschen heute konfrontiert sind - schulische und gesellschaftliche Entwicklungen. Auch beruflich konnte ich davon profitieren und wichtige Impulse für meine Tätigkeit als Lehrer mitnehmen.

 

Was würdest du jemandem sagen, der überlegt, freiwillig im Bereich Lernhilfe mitzumachen?

Ich kann ein solches Engagement uneingeschränkt empfehlen. Schule kann für viele junge Menschen eine große Herausforderung darstellen, insbesondere bei ungleichen Ausgangsbedingungen. Durch ehrenamtliche Lernbegleitung kann man einen bedeutenden Beitrag leisten und einen echten Unterschied im Leben eines jungen Menschen machen.

 

Für mich ist diese Tätigkeit weit mehr als Lernhilfe – sie hat sich zu einer persönlichen Beziehung entwickelt, die mein Leben bereichert. Unsere Treffen sind kein fixer Termin mehr, sondern eine wertvolle Zeit, auf die ich mich jedes Mal freue.

 

 

Danke, lieber Jakob, für dein Engagement!

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