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Rasche Hilfe in 14 Sprachen

In der Beratungsstelle Grundversorgung der Volkshilfe Wien finden AsylwerberInnen qualifizierte Unterstützung während ihres Asylverfahrens in ihrer Muttersprache.

So oder so ähnlich müssen sich BesucherInnen im Foyer des UN-Hauptquartiers in New York fühlen: Es herrscht ein buntes Sprachengemisch und Menschen unterschiedlichster Nationalitäten und Hautfarben geben sich am Standort der Volkshilfe Wien am Wiener Margaretengürtel die Klinke in die Hand. Hier kümmern sich acht MitarbeiterInnen der Beratungsstelle Grundversorgung um etwa 650 Asylsuchende, die in sechs Häusern der Volkshilfe Wien für die Dauer ihres Asylverfahrens versorgt werden. Die vielen verschiedenen Nationalitäten sind dabei kein Problem, denn insgesamt werden von den BetreuerInnen 14 unterschiedliche Sprachen gesprochen.

Samer Atia, stellvertretender Einrichtungsleiter der Beratungsstelle: „Wir sind für die Betroffenen oft die erste Anlaufstelle. Daher ist eine qualitativ hochwertige Beratung, möglichst in der Muttersprache der jeweiligen Person, für uns ganz zentral.“ Weiters setzt man auf eine langfristige Betreuung. „Wir betreuen unsere KlientInnen während des gesamten Asylverfahrens. Das dauert durchschnittlich zwei bis drei Jahre.“

Deutschkurse

Das Erlernen der deutschen Sprache steht während der Betreuung an erster Stelle, erklärt Sozialberaterin Isabel Ramirez. „Wir vermitteln die KlientInnen an Bildungseinrichtungen, vorwiegend über die Bildungsdrehscheibe der Stadt Wien. Darüber hinaus kümmern wir uns um Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, immer darauf abgestimmt, welche Zukunft sich die Betroffenen in Österreich vorstellen.“ Bedauerlich findet sie, dass es für die vielen höchst engagierten AsylwerberInnen kaum Beschäftigungsmöglichkeiten gibt. „Während des Verfahrens dürfen sie gemeinnützige Tätigkeiten verrichten, das ist aber zeitlich und vom Angebot her sehr begrenzt. In Wien haben wir gerade mal 50 Klientinnen und Klienten in gemeinnützigen Tätigkeiten unterbringen können, dabei wären viel mehr Asylsuchende bereit, sich auf diese Weise einzubringen.“
Ziel der Arbeit der Beratungsstelle Grundversorgung ist es auch, Asylsuchende auf ein künftiges Leben in Österreich vorzubereiten. Die neuen gesetzlichen Regelungen diesbezüglich sehen die MitarbeiterInnen durchwegs negativ. „Viele der rund 1.000 AslywerberInnen, die derzeit eine Lehre machen, sind akut von Abschiebung bedroht. In Zukunft wird für AsylwerberInnen gar keine Lehrausbildung mehr möglich sein. Die Betroffenen haben auch erschwerten Zugang zu Lehrgängen für Hauptschulabschlüsse“, kritisiert Samer Atia. Hier gingen wertvolle Jahre verloren.
Besonders intensiv kümmert man sich in der Beratungsstelle Grundversorgung um Familien mit Kindern. „Wir beraten hier vor allem Frauen zu den Themen Kinderbetreuungsmöglichkeiten und Schulen, aber auch zum Familienrecht“, erklärt Isabel Ramirez.

Gespräche auf Augenhöhe

Einige der Beraterinnen und Berater der Beratungsstelle Grundversorgung sind selbst als Flüchtlinge nach Österreich gekommen. Sie kennen die Probleme der Klientinnen und Klienten daher oft aus eigener Erfahrung. So wie Sozialarbeiter Elyas Wissa, der mit 12 Jahren nach Österreich gekommen ist. „Viele der Menschen, die flüchten mussten, sind traumatisiert und brauchen psychologische Hilfe. Unsere Aufgabe ist auch, ihnen zu erklären, dass das keine Schande ist und es in Österreich entsprechende Einrichtungen gibt, an die wir weitervermitteln können“, erklärt der gebürtige Afghane. Wichtig ist es ihm, den AsylwerberInnen auch zu zeigen, dass sie selbst viel zu einem positiven Abschluss des Verfahrens beitragen können, indem sie integrative Maßnahmen setzen, freiwillig arbeiten und Deutsch lernen.

Rechtsberatung

Die Beratungsstelle Grundversorgung ist zwar in erster Linie eine Sozialberatungsstelle, trotzdem werden hier auch erste Rechtsauskünfte gegeben und die KlientInnen werden an Rechtsberatungsstellen weitervermittelt. Antonia Oberwalder, Juristin in der Beratungsstelle: „Wir vermitteln die KlientInnen an die Rechtsberatungsstellen und ,übersetzen‘ die Entscheidungen der Behörden und Gerichte in eine für sie verständliche Sprache. Uns ist es auch sehr wichtig, dass die Betroffenen den Ablauf der Asylverfahren kennen und die Übersicht über ihr Verfahren behalten.“ Wichtig, so die Juristin, sei auch die Betreuung nach einem positiven Asylbescheid, denn dann müssen die AsylwerberInnen binnen vier Monaten eine passende eigene Wohnung finden. Oberwalder: „Auch hier helfen und unterstützen wir in der Beratungsstelle Grundversorgung, um diese Hürde zu überwinden.“

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