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Rasche Hilfe bei Räumungsklagen

Die Fachstelle für Wohnungssicherung FAWOS hilft Personen, die von Räumungsklagen betroffen sind, kostenlos und unbürokratisch bei der Sicherung ihrer Wohnung.

Jedes Jahr landen rund 7.000 Räumungsklagen auf den Tischen der Betreuerinnen und Betreuer von FAWOS, der Fachstelle für Wohnungssicherung der Volkshilfe Wien. „Insgesamt gibt es in Wien rund 17.000 Räumungsklagen, davon 7.000 bei Privat- und Genossenschaftswohnungen und bei fremdverwalteten Gemeindewohnungen. Die landen bei uns“, erklärt Robert Blum, Leiter der Fachstelle für Wohnungssicherung.

Die Gründe, warum es zur Klage kommt, sind meistens immer die gleichen. Viele KlientInnen haben schon länger die Miete nicht bezahlt und häufig auch Mahnungen und Schreiben der Rechtsanwaltskanzleien ignoriert. Die Folge ist die Räumungsklage. Blum: „Wir sind hier in ein Frühwarnsystem eingebettet. Sobald eine Klage auf Räumung der Wohnung beim Bezirksgericht einlangt, wird die Fachstelle für Wohnungssicherung darüber verständigt.“

Durch die enge Zusammenarbeit mit der MA 40 der Stadt Wien kann rasch Hilfe in besonderen Lebenslagen beantragt werden, in deren Rahmen die Stadt unter bestimmten Voraussetzungen nach ihren Richtlinien Mietzinsrückstände übernehmen kann.

„Ist die Räumungsklage einmal rechtskräftig geworden und liegt ein Exekutionstitel vor, kann rein rechtlich nicht mehr viel unternommen werden. Hier sind wir dann auf den ,good will‘ der VermieterInnen angewiesen. Es gelingt uns aber immer wieder, die Wohnung für die Klientinnen und Klienten zu erhalten“, sagt Blum zuversichtlich.

Problem befristeter Mieten

Gerade am freien Wohnungsmarkt haben sich in den vergangenen Jahren neue Problemfelder herauskristallisiert, welche die Arbeit für FAWOS schwieriger machen. Blum: „Ungefähr 48 Prozent der Mietverträge am freien Wohnungsmarkt sind inzwischen befristete Mietverträge, die laufend verlängert werden müssen.“ Treten hier Probleme mit der Miethöhe auf, trauen sich viele der Betroffenen aus Angst vor einer Nichtverlängerung ihres Mietvertrages nicht, die Höhe ihrer Miete überprüfen zu lassen.

„Daher sinkt derzeit in Wien die Zahl der Räumungsklagen, denn durch die befristeten Verträge enden die Mietverhältnisse ohnehin automatisch und werden dann einfach nicht verlängert“, begründet Blum diesen Rückgang.

Für die KlientInnen von FAWOS sind das keine rosigen Zukunftsaussichten. Die Mieten werden teurer, während die Einkommen gleichzeitig sinken. „Bei befristeten Mietverträgen können wir die Wohnung im Ernstfall für die Betroffenen nicht mehr retten.“

Dementsprechend sinken auch die Hilfsansuchen an die FAWOS. 30 Prozent melden sich derzeit noch auf deren Anfragen, weitere 30 Prozent wären potenzielle KlientInnen, die aber das kostenlose Beratungs- und Hilfsangebot ignorieren. FAWOS musste darauf reagieren. „Wir haben mit aufsuchender Sozialarbeit begonnen und führen Hausbesuche durch, um die von Klagen Betroffenen über ihre Möglichkeiten zu informieren.“

Unseriöse Anbieter

Sorgen bereitet Blum auch die steigende Zahl von unseriösen Mietzinsprüfern am Markt. Private Unternehmen erschleichen sich oft durch unseriöse Methoden das Vertrauen und die Unterschrift der KlientInnen unter Knebelverträge, die zur Folge haben, dass den Betroffenen von den vor Gericht erstrittenen Mietzinsrückzahlungen wenig bis gar nichts bleibt. Blum: „Da landen dann meist bis zu 50 Prozent der erstrittenen Summe bei AnwältInnen. FAWOS leitet hier KlientInnen zu seriösen MieterInnenvertretungen weiter, wo die Betroffenen wesentlich mehr Geld aus den Verfahren erhalten.“

Miete zahlen ist wichtig

Blum sieht auch in der mittel-und langfristigen Nachbetreuung der KlientInnen eine immer wichtiger werdende Aufgabe von FAWOS. Denn immer häufiger müssen die BeraterInnen feststellen, dass das Bezahlen der Miete vernachlässigt wird. „Da werden vom meist ohnehin schon geringen Einkommen Handyrechnungen oder Konsumkredite bedient und auf die Miete wird vergessen. Dabei ist der Erhalt der Wohnung wesentlich für die soziale Absicherung.“ Auch die Schulen sieht er in der Pflicht. „Die Jugendlichen müssen möglichst früh lernen, dass das Zahlen der Miete wesentlich ist. Es ist notwendig, ihnen einen vernünftigen Umgang mit Geld beizubringen.“

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