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Mit Nadel und Zwirn zurück in einen Job

Seit 1999 bietet die Schneiderei der Sozialökonomischen Betriebe  Langzeitarbeitslosen ein Sprungbrett zurück ins Berufsleben. Auch Kultlabels lassen hier nähen.

Die T-Shirts sind bunt, funktionell, aus garantiert nachhaltig erzeugter Baumwolle und werden komplett in Österreich hergestellt. Andreas Moritz, einer der Gründer des Wiener Modelabels „MaVienna“, lässt seine Bekleidung für Kinder, Damen und Herren komplett in der Schneiderei der Sozialökonomischen Betriebe (SÖB) in Wien-Wieden nähen.

„MaVienna ist ein Verein zur Förderung der österreichischen Textilkultur“, erklärt er die Philosophie des Labels, „da wäre es ja völlig kontraproduktiv, wenn wir nachhaltige Mode aus Österreich in einer Billig-Näherei in Bangladesh verarbeiten lassen würden, wo die Näherinnen unter unmenschlichen Bedingungen schuften müssen.“ Daher hat er gemeinsam mit seinen Partnern lange nach einer Möglichkeit gesucht, die MaVienna-Kollektionen in Österreich herstellen zu lassen und ist schließlich auf die SÖB-Schneiderei gestoßen. Moritz: „Das Prinzip der SÖB-Schneiderei passt sehr gut zu MaVienna. Hier geht es nicht um Gewinnmaximierung, sondern darum, Langzeitarbeitslosen wieder eine berufliche Perspektive und einen positiven Anstoß zum Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu vermitteln.“ Er möchte auch in Zukunft seine Kollektionen, die er über einen eigenen Webshop vertreibt (www.mavienna.com), in der SÖB-Schneiderei nähen lassen.

Sprungbrett. Seit 1999 gibt es die SÖB-Schneiderei schon, die als Teil der verschiedenen Sozialökonomischen Betriebe  seit Jahresanfang direkt bei der Volkshilfe Wien angesiedelt ist und vom AMS Wien und Niederösterreich beauftragt und gefördert wird. Zu den SÖB gehören auch acht Secondhand-Shops, ein Reinigungs- und Hygieneservice, ein auf Wohnungsräumungen spezialisiertes Transportunternehmen und eine Firma für Grünraum- und Straßenpflege.

Cornelia Loidl, Leiterin der SÖBSchneiderei: „Bei uns arbeiten derzeit zwei Vollzeitkräfte und acht Transitmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, die zwischen drei und sechs Monate bei uns beschäftigt sind.“ Die SÖB-Schneiderei ist für die Transitkräfte kein Dauerarbeitsplatz, sondern ein Sprungbrett für Langzeitarbeitslose, die nur schwer wieder ins Berufsleben zurückzuführen sind. Loidl: „Diese Menschen erleben bei uns meist nach längerer Zeit wieder so etwas wie ein normales Arbeitsumfeld mit fixen Arbeitszeiten und klaren Aufgaben. Neben dem Job bei uns machen viele noch eine zusätzliche Ausbildung, etwa einen Deutschkurs.“ Ziel der SÖB-Schneiderei ist es nicht, die Transitkräfte zu Schneiderinnen und Schneidern auszubilden, sondern sie wieder bereit für die Anforderungen des Arbeitsmarktes zu machen.

Auftragsschneiderei. Rund 30 Labels aus Österreich lassen inzwischen bei der SÖB-Schneiderei produzieren. Dort passiert alles in reiner Handarbeit, auch der Zuschnitt. Loidl: „Für maschinelles Zuschneiden sind wir zu klein. Wir greifen aber gerne noch selbst zur Schere.“ Neben der Auftragsschneiderei sorgt auch das ebenfalls hier betriebene Änderungsgeschäft für regelmäßige Aufträge. Loidl: „Hier leben wir von Kundinnen und Kunden aus der näheren Umgebung in Wieden.“

 

Weitere Informationen zur SÖB Schneiderei finden Sie unter www.volkshilfe-wien.at/arbeit-soziale-dienstleistungen/soeb/schneiderei

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