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Gemeinsam in eine bessere Zukunft

Vor zwei Jahren hat die Volkshilfe Wien das Projekt Buddies for Refugees gestartet. Seither haben rund 60 Freiwillige ebenso viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bei ihrer Integration in Österreich begleitet.

Seit zwei Jahren sind Muhamad, 20, aus Afghanistan und Helmut Schramke, 74, Pensionist aus der Steiermark, ein eingespieltes Team. Helmut begleitet den jungen Mann, der alleine aus dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land am Hindukusch nach Österreich geflüchtet ist, sicher durch den Dschungel der Behördenwege und organisiert für ihn Deutschkurse. Denn der Spracherwerb ist die Basis für ein Leben in Österreich. „Deutschkurse sind enorm wichtig, aber in Österreich muss man erst jene Institutionen finden, die diese anbieten“, erinnert sich der engagierte Pensionist, der früher selbst viele Jahre beruflich im Ausland verbracht hat, an die Anfangszeit. „Ohne Helmut hätte ich nicht so schnell Deutschkurse gefunden. Er hilft mir auch bei Alltagsproblemen, etwa bei der Arztsuche oder bei Gesprächen mit der Asylbehörde“, erzählt Muhamad, der die Zeit bis zur Beendigung seines Asylverfahrens möglichst sinnvoll nutzen möchte. Zwei Stunden pro Woche sehen sich die beiden, aber, so Helmut, „es werden meistens mehr und wir telefonieren regelmäßig“.

Erfolg mit Menschlichkeit

Helmut ist einer von rund 60 sogenannten Buddies, die als freiwillige HelferInnen bei der Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge mithelfen.
Doris Moravec, Leiterin des Freiwilligenmanagements der Volkshilfe Wien, war wesentlich an der Konzeptionierung des Buddies-Programms beteiligt: „Die Nachfrage nach Patenschaften ist nach wie vor hoch, denn viele warten auf ihren Asylbescheid.“ Besonders hoch ist der Betreuungsbedarf ab Erreichen des 18. Lebensjahres. Moravec: „Die Art der Grundversorgung ändert sich ab diesem Zeitpunkt für die Betroffenen sehr stark. Sie müssen aus der Wohngemeinschaft, in der sie bislang gelebt haben, aus- und in ein Grundversorgungshaus einziehen, wo sie meistens in Mehrbettzimmern mit anderen AsylwerberInnen leben. Es gibt andere Betreuungsorganisationen und andere Zuständigkeiten bei den Behörden. Da sind die PatInnen dann besonders gefragt.“

Oft traumatisiert

Es sind häufig Burschen aus Afghanistan, die im Buddies for Refugees-Programm betreut werden. „Viele der Burschen sind durch die Ereignisse in Afghanistan und während ihrer Flucht traumatisiert“, erklärt Roger Winandy, Projektleiter von Buddies for Refugees. Viele hätten Angst vor der Gesellschaft in Österreich und würden daher eine Vertrauensperson suchen, die ihnen hilft. „Nicht wenige der jungen Afghanen haben keine oder nur eine sehr mangelhafte Schulbildung, was die Integration zusätzlich erschwert. Es ist daher für sie sehr wichtig, jemanden an ihrer Seite zu wissen, dem sie vertrauen, der ihnen vor allem bei der Bewältigung des Alltags hilft und der ihnen zeigt, wie Österreichs Gesellschaft, die ja sehr anders als jene in Afghanistan ist, funktioniert.“ Durch ihre Buddies erhalten die Burschen einen ganz anderen Blick auf Österreich und Europa als ihnen häufig zuhause von Verwandten oder von Schleppern vermittelt wurde.

Neues Thema Abschiebung

Zwar war bislang noch kein im Buddies-Programm befindlicher Flüchtling von Abschiebung betroffen, aber die Zahl der negativen Asylbescheide in 1. Instanz nimmt zu. „Bislang war das Patenschaftsprogramm durchwegs positiv besetzt. Heute müssen wir uns gemeinsam mit den PatInnen auch mit dem Thema Abschiebung auseinandersetzen“, bestätigt Moravec. Denn insgesamt steigt die Zahl der Abschiebungen in Österreich. Und einen ersten negativen Asylbescheid in 2. Instanz gibt es inzwischen auch im Buddies-Programm.
Moravec: „Es ist uns wichtig, dass unsere Freiwilligen den Burschen beistehen, aber gleichzeitig lernen, sich abzugrenzen. Schulungen und Treffen sind für uns deshalb selbstverständlich.“
PATiNNEN GESUCHT Nach wie vor sucht die Volkshilfe Wien Patinnen und Paten, die minderjährige Flüchtlinge bei deren Integration in Österreich unterstützen.Winandy: „Der direkte Kontakt mit den Betroffenen ist auch für die Patin oder den Paten eine Bereicherung, denn sie oder er lernt sehr viel über die Gesellschaft im Herkunftsland der AsylwerberInnen.“ Während der gesamten Patenschaftszeit werden die Buddies von der Volkshilfe Wien betreut und in ihrer Tätigkeit fachkundig unterstützt. „Von regelmäßigen Reflexionstreffen bis zu Einladungen zu Volkshilfe Wien-Veranstaltungen ist die kontinuierliche Wertschätzung der Freiwilligenarbeit für uns sehr wichtig“, erklärt Winandy. Das freut auch Helmut Schramke: „Das Projekt ist sinnvoll, gut begleitet und für Muhamad und mich eine Bereicherung.“

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