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Ein Dach über dem Kopf

Marian fühlt sich wohl in dem ehemaligen Fabrikgebäude im 22. Bezirk. Der Slowake war bereits im Vorjahr Stammgast im Winternotquartier NORD der Volkshilfe Wien, wie er lachend erzählt. Auch heuer verbringt er die Tage und Nächte hier. „Es ist familiär, die BetreuerInnen sind super, ich fühle mich wie Zuhause“, so der 34-Jährige. „Ich bin froh, einen Platz zu haben.“ Immer wieder packt Marian deshalb auch in der Küche mit an, schält Erdäpfel und schneidet Zwiebeln. „Ich habe Zeit, ich kenne die Arbeit. Ich habe früher in der Slowakei freiwillig in Sozialeinrichtungen gearbeitet.“ Seit zehn Jahren ist er mittlerweile obdachlos. Davor hatte er einen geregelten Job und lebte in einer Mietwohnung. Er ist in einer intakten Familie großgeworden. Ein persönlicher Schicksalsschlag habe ihn aus der Bahn geworfen, erzählt er. Im Sommer ist er draußen unterwegs, schläft mal hier, mal dort, manchmal führt ihn sein Weg durch ganz Europa. In seine Heimat zurück kann er nicht. Er hat keine Papiere.

100 Schlafplätze. Für viele Menschen wie Marian ist das Winternotquartier Nord in der kalten Jahreszeit einer der letzten Zufluchtsorte. Sie müssten ihre Tage und Nächte ansonsten in Parks oder auf der Straße verbringen. Im Rahmen des Winterpakets der Wohnungslosenhilfe der Stadt Wien stellt die Volkshilfe Wien deshalb heuer zum zweiten Mal insgesamt 100 Schlafplätze in Mehrbettkojen zur Verfügung. 20 Betten sind in einem eigenen Bereich speziell für Frauen reserviert. Die KlientInnen haben im Notquartier die Möglichkeit, zu duschen und ihre Wäsche zu waschen. In der Wärmestube bekommen sie untertags warme Mahlzeiten und Getränke. 519 Personen haben im Vorjahr dieses Angebot zwischen November und April in Anspruch genommen.

22 Stunden Betreuung. Marian gehört wie viele andere, die Zuflucht im Winternotquartier NORD finden, zu den sogenannten nicht anspruchsberechtigten Personen. Das bedeutet, dass er über keine Ansprüche nach dem Wiener Mindestsicherungsgesetz verfügt und daher keinen Zugang zu den Sozialleistungen der Stadt Wien hat. Das Winternotquartier der Volkshilfe Wien ist eine jener Einrichtungen der Wiener Wohnungslosenhilfe, die auch diesen Personengruppen offensteht. Obdachlosigkeit trifft aber nicht nur Menschen, die aus dem Ausland nach Wien gekommen sind. Auch viele ÖsterreicherInnen verbringen regelmäßig ihre Nächte im Notquartier. „In der vorigen Saison waren ÖsterreicherInnen unsere zweitgrößte Gruppe bei den NächtigerInnen“, erzählt Alena Mach, Leiterin des Winternotquartiers der Volkshilfe Wien. „Unsere KlientInnen sind relativ jung, die größte Gruppe ist zwischen 30 und 39 Jahre alt. Viele von ihnen sind psychisch krank oder suchtkrank.“

22 Stunden pro Tag stehen die BetreuerInnen im Winternotquartier für die Anliegen der KlientInnen zur Verfügung. Das Notquartier hat zwischen 18:00 Uhr und 8:00 Uhr geöffnet, um 10:00 Uhr sperrt die Wärmestube auf. Zum Frühstück kommen viele direkt von draußen, wenn sie die Nacht im Freien verbracht haben. Die Nachfrage nach Tee und Kaffee ist dann besonders groß. Zu Mittag gibt es für die Männer und Frauen eine warme Mahlzeit. Bei der Essensausgabe werden die BetreuerInnen immer wieder von Freiwilligen unterstützt, die auch dabei helfen, Lebensmittelspenden zu verteilen.

Medizinische Versorgung. Spenden ermöglichen auch, dass eine Krankenpflegerin einmal wöchentlich medizinische Erstversorgung leistet, Verbände wechselt, Rezepte organisiert oder Kontakt zu ÄrztInnen aufnimmt. Das Team rund um Alena Mach versucht das Bestmögliche, um alle Grundbedürfnisse der KlientInnen zu erfüllen. Jedenfalls bis Ende April. Dann schließt das Winternotquartier wieder seine Pforten.

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