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DAS Thema Corona

 
Autorin: Silvia Zechmeister
Bereichsleitung Soziale Arbeit @ Volkshilfe Wien
 
Corona – egal, was man tut, egal, wo man sich gerade aufhält, es ist DAS Thema der letzten Wochen.
Und wie wir jetzt wissen, wird es uns noch viele weitere Monate begleiten und wir alle müssen mit der Bedrohung durch diesen Virus leben. 
Wenn ich so die Zeit seit Mitte März Revue passieren lasse, fallen mir viele belastende negative, aber auch positive Aspekte ein.
 
Zu den Positiven gehören:
Die Mitarbeiter*innen kommen sich näher, halten zusammen, erarbeiten neue Konzepte im Umgang mit den Klient*innen. Es herrscht Verständnis und Offenheit gegenüber Neuem.
Ich bin stolz auf jene, die so eine tolle Arbeit leisten – direkt vor Ort in den Wohnungslosen-, Flüchtlings- , Kinderbetreuungs- und Beratungseinrichtungen, aber auch auf jene, die von daheim aus beraten, betreuen und vor allem lenken und damit diejenigen unterstützen, die vor Ort arbeiten. Die Arbeit mit unseren Klient*innen hat sich verändert, sie ist um vieles herausfordernder geworden. Der Wegfall von persönlichen Gesprächen und Teams schmerzt, und die vielen stundenlangen Telefonate und Videokonferenzen erfordern viel Geduld und Empathie. 
Der Zusammenhalt auf allen Hierarchiebenen ist gut, der Austausch ist intensiv, wir helfen uns gegenseitig bei Problemlösungen und halten zusammen. Wir reden offener und ehrlicher miteinander, all das hilft auch gegen die Einsamkeit. 
 
Zu den Negativen gehören:
Die Sorge um unsere KlientInnen, vor allem um diejenigen, die psychisch nicht belastbar sind, die ohnehin schon auch ohne Corona unter Ängsten leiden und jetzt noch anfälliger für persönliche Krisen sind. 
Die Sorge um die betreuten Kinder und Jugendlichen, die wochenlang ihre Eltern und engsten Freund*innen nicht sehen durften, und die ohnehin traumatisiert sind.
Die extrem hohe Arbeitslosigkeit und die damit einhergehende Armutsfalle dieser Krise, der wir unbedingt entgegensteuern müssen.
 
Ich denke auch an diese vielen Gesetze und Verordnungen, die nur mehr für Unsicherheit und Verwirrung in der Bevölkerung sorgen. Ist unser Rechtsstaat gefährdet und werden wirklich alle diese Gesetze und Regulierungen, die uns extrem einschränken post Corona  wieder aufgehoben? Waren diese Regulierungen nötig, weil man nicht oder zu wenig auf die Eigenverantwortung der Menschen setzen kann?
 
Ich bin gespannt, wie die nächsten Monate sich entwickeln werden und hoffe sehr, dass Corona bald wie ein Albtraum zur Vergangenheit zählen wird. 
 
“Die im Artikel dargelegte Meinung entspricht nicht in jedem Fall jener der Volkshilfe Wien. Im Sinne der Abbildung eines pluralistischen Meinungsspektrums lassen wir unterschiedlichste Stimmen der Zivilgesellschaft bei uns zu Wort kommen.“
 
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