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„Wir setzen neue Standards“

Gerade im Pflegebereich sind hohe Qualitätsstandards wichtig. Matthias Schüchner  leitet seit Jänner die Stabsstelle Qualitätsmanagement bei der Volkshilfe Wien.

 

Sie verantworten seit Jänner  den Bereich Qualitätsmanagement bei der Volkshilfe Wien. Warum ist das Thema Qualitätssicherung gerade für eine soziale Hilfsorganisation besonders wichtig?

Matthias Schüchner: Wir haben gleich eine mehrfache hohe Verantwortung. Jene gegenüber unseren Klientinnen und Klienten, die sich zurecht auf bestmögliche Betreuung nach modernsten Pflegekriterien  verlassen wollen. Dann sind wir gegenüber unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dafür verantwortlich, klare und nachvollziehbare Qualitätsstandards zu setzen, die gute Rahmenbedingungen für die tägliche Arbeit schaffen. Dazu kommen fachliche Qualitätskriterien, die besonders im Pflegebereich laufend fundierte und zukunftsorientierte Konzepte erfordern, deren einmal formulierte Ziele auch eingehalten werden sollen. Und Qualitätsmanagement verbessert auch den organisatorischen Ablauf innerhalb einer sehr komplexen Struktur wie der Volkshilfe, in der sich ja etwa professionelle Tätigkeit mit Freiwilligenarbeit mischt.

 

Wo liegen die Schwierigkeiten in Ihrem Job?

Bislang hatte die Volkshilfe Wien kein durchgängiges Qualitätsmanagementkonzept. Daher müssen wir ein eigenes Qualitätsmanagementsystem entwickeln. Dazu muss die gesamte Organisation grundlegend durchleuchtet werden. Wir entwickeln auch gemeinsam mit den Bereichsleiterinnen und Bereichsleitern, deren Teams sowie der Geschäftsführung Maßnahmen, die zum Erreichen der vorher gemeinsam definierten Ziele führen sollen.

 

Nach welchen Kriterien werden diese Maßnahmen erstellt?

Einerseits gibt es etwa im Pflegebereich klare Standards anhand der aktuellen Forschung, die auch in anderen Pflegeeinrichtungen ihre Gültigkeit haben. Daran orientieren wir uns, definieren dazu aber eigene Vorstellungen und Ansprüche, die wir im Sinne der bestmöglichen Betreuung erreichen wollen. Wir entwickeln gerade ein Beschwerdemanagementsystem, das uns zusätzlich helfen soll, die Meinung unserer Klientinnen und Klienten in den Qualitätsverbesserungsprozess einfließen zu lassen. Darüber hinaus wird es in jeder Abteilung der Volkshilfe Wien in Zukunft eigene Qualitätszirkel geben, in die sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Vorschlägen zur Verbesserung der Qualität unserer Arbeit einbringen können.

 

Fällt die Umstellung auf ein professionelles Qualitätsmanagementsystem allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern leicht?

Ich möchte betonen, dass Qualitätsmanagement in erster Linie den Sinn hat, die Arbeitsbedingungen und den Ablauf der Prozesse in einem Unternehmen oder einer Organisation zu verbessern und nicht dazu da ist, irgendwem auf die Finger zu klopfen.  Wir legen ja auch gemeinsam fest, welche Qualitätsziele wir in welchem Bereich bis zu welchem Zeitpunkt erreichen wollen. Dann begleiten wir vom Qualitätsmanagement den Prozess und helfen allen Beteiligten die Abläufe auf dem Weg zum gewünschten Ziel laufend zu verbessern. Gerade dieses Feintuning bringt auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr viel, da sie so aktiv an der Verbesserung  von vielleicht schon seit langem als verbesserungsbedürftig empfundenen Arbeitsweisen mitarbeiten und auch eigene Ideen verwirklichen können.

 

Wie wird das ablaufen?

Durch viele Gespräche mit Führungskräften, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und durch produktive Arbeitsgruppen und Arbeitsbündnisse. Wir werden seitens des Qualitätsmanagements in den kommenden Monaten versuchen, möglichst umfassend zu sehen, wo den Kolleginnen und Kollegen der Schuh drückt und was derzeit in der Organisation als positiv wahrgenommen wird. Daraus ergeben sich dann die Zielvorgaben, welche wieder intensiv diskutiert werden. Am Schluss steht ein Qualitätsmanagementkonzept, das allen zur Orientierung, Unterstützung und Kontrolle dient, den Abteilungsleitern zur Erreichung ihrer Abteilungsziele, aber auch jeder einzelnen Mitarbeiterin und jedem einzelnen Mitarbeiter zur Überprüfung, ob die vorgegebenen Qualitätskriterien auch von oben her erfüllt werden. Größtmögliche Transparenz ist uns da besonders wichtig.

 

Wie wollen Sie Qualität sichtbar machen?

Die beste und eingängigste Möglichkeit besteht darin, sich von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gelingende Betreuungssituationen schildern zu lassen – also eine von jenen vielen Situationen, in denen es gelingt, durch Professionalität und Engagement unser Motto „Benachteiligungen beseitigen – Erfolge ermöglichen“ mit Klientinnen und Klienten Wirklichkeit werden lassen. Solche Positivbeispiele – wir nennen sie „Best Practice Beispiele“ – gilt es laufend zu identifizieren und so praktische Möglichkeiten aufzuzeigen, wie wir durch qualitativ hochwertige Soziale Arbeit unsere Gesellschaft Tag für Tag ein kleines Stück gerechter werden lassen.

 

Wie sind Sie eigentlich zum Qualitätsmanagement gekommen?

Ich habe 2008 bei der Volkshilfe Wien als Sozialpädagoge im Jugendbereich begonnen und war dann längere Zeit als stellvertretender Abteilungsleiter für die Qualitätsentwicklung in diesem Bereich verantwortlich. Heute bin ich – gemeinsam mit meiner Mitarbeiterin Petra Dachs – für das Qualitätsmanagement in der gesamten Volkshilfe Wien zuständig. Wir möchten damit einen Beitrag dazu leisten, die Volkshilfe weiter zu professionalisieren.

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